Krimikurzgeschichten-Wettbewerb

Im Rahmen der Krimi Nordica waren wir auf der Suche nach den besten jungen Autoren der Krimikurzgeschichten...

...und wir haben sie gefunden!

Hier könnt ihr die 5 spannendsten Kurzgeschichten lesen, diese wurden mit tollen Preisen belohnt.

Schmerzhafte Rache

Schmerzhafte Rache

von Adrian Wenzel

Am Sonntagabend war auf dem Friedhof kein Mensch mehr zu sehen.
Auf einmal tauchte eine dunkel gekleidete Gestalt auf. Es war Slander. Er ging zu einem Grab und kniete sich hin und sprach: "Ich werde Deinen Tod rächen, Bruder!"
Und dann verschwand er wieder im dichten Nebel.
Am nächsten Abend war viel los auf dem Marktplatz. Slander mischte sich unter die Menschen, die ein paar unbeschwerte Stunden in den umliegenden Bars und Cafés verbringen wollten. Slander aber hatte heute ein anderes Ziel. Mit einem Rucksack in der Hand steuerte er zielstrebig auf eine dunkle Seitengasse zu. Dort wartete eine Gestalt mit verschränkten Armen im Halbschatten.
Slander warf ihm den Rucksack vor die Füße und sagte unfreundlich: "Hier! Eintausend Euro, wie verabredet. Jetzt zeig mir die Ware!"
Der Fremde hob seinen Lohn auf und erwiderte: "Komm mit." Ohne Eile führte er seinen Kunden in einen Eingang in der Gasse. Sie gingen eine Treppe hinauf zu einer kleinen Wohnung. Dort präsentierte er Slander eine übersichtliche Auswahl an Waffen. Unser Rächer entschied sich für einen gebrauchten Revolver und ein scharfes Messer mit gezackter Klinge. Ohne ein weiteres Wort miteinander zu wechseln trennten sich die beiden Männer und sahen sich nie mehr wieder.
Slander huschte aus der Gasse und verschwand in der Menge.
Am nächsten Morgen goß es wie aus Eimern und Slander ärgerte sich, daß er keine passende Regenjacke angezogen hatte. Sein Parka war schon nach wenigen Minuten völlig durchnäßt.
Als Schutz hatte er sich wenigstens seinen großen schwarzen Hut tief ins Gesicht gezogen. Als er ein Taxi sah, hob er die Hand und winkte es heran. Er stieg ein und sagte dem Fahrer mit leiser Stimme: "Zum Hauptbahnhof bitte". Die Fahrt dauerte nicht sehr lange, und als sie ankamen gab Slander dem Chauffeur einen Hundert-Euro-Schein. "Hier, stimmt so. Behalten Sie den Rest". Noch bevor der verdutzte Taxifahrer etwas antworten konnte, war Slander schon ausgestiegen und hetzte in Richtung Eingang, um nicht noch mehr Regen abzubekommen.
Mittlerweile war es schon sehr voll. Der allmorgendliche Berufsverkehr hatte eingesetzt, und Slander mußte dagegen ankämpfen, nicht in die falsche Richtung geschoben zu werden.
Dann sah er ihn. Den Mann, nachdem er so lange gesucht hatte. Den Mörder seines Bruders. Das Ziel seiner Rache stand dort mit ein paar andern Leuten. Sie rauchten und redeten laut miteinander. Slander verstand kein Wort, und es war ihm auch völlig egal.
Während er sich der Gruppe näherte umklammerten seine Finger die Waffe in seiner Tasche. Als er nur wenige Meter entfernt war, zog er den Revolver aus seiner Tasche und zielte mit gestreckten Armen auf den nichtsahnenden Mann aus der Gruppe mit dem Schnurrbart. Dabei schrie er: "Warum hast Du das getan?" "Was habe ich denn getan?" erwiderte der Gegner. "Bleib mal locker, Mann". Aber er konnte sich ein dümmliches Grinsen nicht verkneifen, und dadurch wußte Slander, dass er genau den richtigen gefunden hatte, und er fragte noch einmal: "Warum hast Du meinen Bruder getötet?"
Ohne Reue antwortete der Schnurrbart: "Er hat mir Geld geschuldet und nicht bezahlt. Das ist schlecht für mein Geschäft. Es war nichts Persönliches."
Und dann trat der Geldverleiher mit einer schnellen Bewegung nach Slanders Arm, so daß dieser die Waffe fallenließ. Sie viel auf die Gleise und war unerreichbar. Dann ging alles sehr schnell. Slander kassierte ein paar heftige Schläge, die meisten ins Gesicht. Aber auch sein Gegner bekam einiges ab.
Und dann passierte es. Nachdem Slander eine weitere Attacke abgewehrt hatte, stolperte der Mörder und fiel auf die Gleise, gerade als ein Zug einfuhr.
Slander stand jetzt da und hatte seine Rache bekommen, aber er fühlte sich trotzdem nicht gut dabei.

Himmel und Hölle

Himmel und Hölle

von Joanna Selin Brauser

Mathearbeit! Angespannte Stille in unserer sonst so wuseligen 5c. Wie war das noch? Punkt vor Strichrechnung? Na klar, manchmal habe ich aber auch ein Brett vor dem Kopf. Schon fliegt der Stift wie von selbst über die Rechenkästchen, füllt sie mit Zahlen, Rechenzeichen und einem Ergebnis. Puh, ganz schön warm. Ich gucke zu Herrn Huberfranz, unserem Mathelehrer, und puste meine Stirnhaare in die Luft. Er nickt mir zu. ,,Dani, öffne bitte mal das Fenster hinter dir, wer denken muss, braucht frische Luft!", fordert er unsere Klassensprecherin auf. ,,Muss das sein!" Sichtlich genervt steht Dani auf. ,,Wa-, wa-, was ist denn mit Caruso los? Der liegt da so komisch, ist der vielleicht...?" Die Mathearbeit ist jetzt unwichtig! Alle springen auf und wollen Caruso sehen. Ich drängle mich vor. Echt wahr, er ist - tot! Fassungslos schauen wir uns an! Am Ende der Deutschstunde ist es ihm doch noch gut gegangen! Er ist fröhlich herumgetollt. Jetzt kommt Herr Huberfranz, hebt den kleinen Körper hoch und betastet ihn vorsichtig.,,Da ist nichts mehr zu machen. Caruso ist jetzt im Hamsterhimmel. Tut mir leid um euer Klassentier, für das ihr so gekämpft habt. Also, die Mathearbeit verschieben wir erst einmal." Ich schaue um mich.Fast überall betroffene Gesichter, viele haben Tränen in den Augen, egal ob Mädchen oder Jungen. Andere starren vor sich hin. Woran sie wohl denken?
In ihren Augen spiegeln sich Fassungslosigkeit, Angst und blankes Entsetzen wider. Ich bin auch traurig. Ehrlich gesagt- ich heule. Mir rinnen glänzende, salzige Tränen an den Wangen entlang. Ich erinnere mich an damals, als wir ihn vor dem sicheren Tod bewahrten. Wir hatten ihm den Namen Caruso gegeben, nur so zum Spaß. Klar, wir mussten den Käfig oft säubern und Caruso füttern. Aber ich denke auch an die schönen Momente. Wie viel Spaß es uns gemacht hat, ihn einfach nur anzuschauen! Ich überlege und knabbere an meinem Daumennagel herum. Was ist in der Pause wohl passiert? Plötzlich höre ich mich laut sagen:,,Wir müssen aufklären, was mit Caruso geschehen ist! Das sind wir ihm schuldig!" Und schon hört das Weinen auf, es kommt wieder Bewegung in die Klasse. Ja, etwas tun gegen die Trauer, den Fall Caruso aufklären! Alle nicken mir zu.
Wir müssen scharf kombinieren. Zuerst will ich etwas sagen, doch Mathilde kommt mir zuvor:  „Das waren die Jungs! Sie waren in der großen Pause drinnen und sind so herumgetobt, dass das Hamsterrad umgefallen ist. Es kann nicht anders sein!" Da meldet sich Bert:,, Das Gleiche können wir aber auch von euch behaupten! Ihr seid so in euren neuen Lackschühchen rumstolziert, dass Caruso sich von eurem Gekreische so erschreckt hat und gestorben ist!" Angriffslustig schaut Bert zu den Mädchen, und die Jungen nicken ihm zustimmend zu. Herr Huberfranz hat alles ruhig mitangehört und mischt sich jetzt aber ein.,, Halt, Halt! Ihr könnt doch nicht einfach so Dinge behaupten, die ihr gar nicht beweisen könnt! Hat jemand etwas gesehen, was uns wirklich weiterhelfen kann?" Da meldet sich Georg, genannt Göte. Er will später mal Schriftsteller werden und macht sich immer Notizen in einem kleinen roten Block, wenn er etwas ,,besonders" findet. ,,Kann ich später mal für meinen Roman gebrauchen!", antwortet er, wenn man ihn fragt. Eben habe ich gesehen, wie sein Stift wieder über das Papier gehuscht ist. Jetzt meldet er sich zu Wort:,,Ich habe heute zufällig in der Pause gesehen, wie Sina Brookwork und ihre Clique in unserer Klasse verschwunden ist und kichernd wieder hinauskam. Sie war doch schon immer neidisch auf Caruso, und vielleicht wollte sie uns eins auswischen!" Alle sehen Göte bewundernd an. Ich stürze hektich zu seinem Käfig, und bald darauf werde ich fündig: Triumphierend halte ich einen angeknabberten Kaugummi in die Luft. Mathias ruft:,, Aha, das war schuld an Carusos Tod, und damit haben wir den endgültigen Beweis! Lasst uns in die 5a gehen, Sina und ihre Clique werden Augen machen bei so einer Spürnasen-Parallelklasse!"

Zwei Tage später sitze ich an der Mathearbeit und bin stolz auf mich. Sina ist von der Schule geflogen. Sie wurde erwischt, als sie schon wieder einen Kaugummi auspackte und in verschiedene Schultaschen steckte. Außerdem hatte sie den Laptop ihrer Klassenlehrerin geschrottet und Heinz die Schuld gegeben.

Der schwarze Mann

Der schwarze Mann

von Levke Kabisch

Stille. Sie umhüllte mich wie eine große Decke - eine Decke aus Angst. Ich
weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin. Sehen konnte ich auch nichts.
Alles dunkel, kalt und feucht. Ich schrak zusammen. Da! Schon wieder dieses
Geräusch! Es klang wie Schritte, dann eine zufallende Tür und dann wieder
Stille. Diese unangenehme Stille. Ich versuchte, mich zu erinnern. Ich war
von dem Geburtstag meiner Freundin nach Hause gelaufen, am dunklen
Wald vorbei. Schatten waren durch die Bäume gehuscht. Doch immer, wenn
ich genauer hinsehen wollte, waren sie im Dunkel der Nacht untergetaucht.
Ein kurzes Stück hatte ich durch den Wald gemusst. Es war Herbst und
meine Schuhe raschelten durch das feuchte Laub, das auf dem Boden lag.
Als ich fast aus dem Wald hinaus war, hörte ich schnelle Schritte hinter mir
durchs Laub rascheln. Andere Geräusche hatte ich mir immer mit den
nachtaktiven Tieren des Waldes erklärt, doch das hier war definitiv kein Tier
gewesen. Immer näher kam das Rascheln, bis ich glaubte, Atem in meinem
Nacken zu spüren, dann wurde mir schwarz vor Augen. Hier bin ich dann
wieder aufgewacht. Erstaunlich, dass ich mich an das Alles noch erinnern
konnte…
Plötzlich schrie ich auf. Vor mir bewegte sich etwas! Ein Schatten hob sich
deutlich aus der Dunkelheit des restlichen Zimmers ab. Er musste die ganze
Zeit im Zimmer oder wo auch immer ich war gestanden haben! So wie er
auch mich unbemerkt im Wald verfolgt hatte… Die Gestalt war ganz in
schwarz gekleidet. Ohne etwas zu sagen, zog sie mich hoch und stieß mich
zu einer Tür, deren Umrisse ich jetzt erst erkannte. „Was wollen Sie von
mir?“, fragte ich. „Weiter!“, knurrte der Mann barsch und mit tiefer Stimme. Ich
tat, was er sagte. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, obwohl wir sicher nur 2-3
Minuten gelaufen waren, durch einen Gang, von dem viele Türen abzweigten,
wie in einem großen, undurchschaubaren Labyrinth. Ein Schauer lief mir über
den Rücken, als mich zum ersten Mal die Erkenntnis traf. Sie schlug zu wie
ein Blitz, der einen Baum entzwei spaltet. Genauso fühlte ich mich auch,
mein Bauch krampfte sich zusammen. Ich war entführt worden.
Der Mann stieß mich durch eine Tür in einen großen Raum, auch hier war es
nicht sehr hell, jedoch so hell, dass es in meinen Augen weh tat. Wie lange
ich wohl in dieser kleinen Kammer gesessen hatte? Stunden? Meine
Gedanken wurden unterbrochen, als ich die kleine Gestalt erkannte, die vor
mir an einem schreibtischähnlichen Ding saß. Der Mann, der seit Wochen
hinter mir her schlich. Bisher hatte ich gedacht, er wäre nur so ein Irrer, der in
der Stadt herumlief, doch jetzt wurde mir klar, dass er all das hier organisiert
haben musste. Meine Angst verschwand komischerweise plötzlich, dafür
breitete sich ein neues Gefühl in mir aus - Wut. Ich wusste nicht, woher ich
auf einmal meine Selbstsicherheit nahm. „Was wollen Sie von mir? Was habe
ich Ihnen getan?! Reden Sie! Sie haben mir einiges zu erzählen!“, fauchte ich
und erschrak mich über mich selbst. Wozu dieser Mann wohl fähig war?
Wollte er mich töten?! Die Angst kam zurück und nur ein Rest Wut blieb in mir
zurück. Ich zog meinen Kopf ein. Gefasst darauf, dass der Mann mir etwas
antun würde, schloss ich die Augen. War dies mein Ende? Würde ich nie
mehr nach Hause kommen? Würde ich meine Mutter niemals wieder sehen?
Sie brauchte mich jetzt noch mehr denn je, seit Papa nicht mehr da war. Ich
war doch auch erst 15!
Zu meiner Überraschung tat mir der Mann nichts - im Gegenteil. „Ganz ruhig,
ich will dir nichts tun“, schnarrte eine raue Stimme. Beim Klang der Stimme
zog sich mein Bauch wieder zusammen, trotzdem war ich irgendwie auch ein
bisschen erleichtert, im Moment sah es noch nicht so aus, als wolle er mir
etwas antun. Aber… was wollte er dann?
Als könne er meine Gedanken lesen, schnarrte der Mann: „Du fragst dich
sicher was ich von dir will… Nun ja, das kann ich dir erzählen. Dein Vater
hatte Geld, viel Geld.“ Als er meinen Vater erwähnte, stach es mich in mein
Herz, als hätte mir der Fremde einen Dolch in die Brust gerammt. „Aber
wieso haben Sie mich schon so lange beobachtet? Das war lange, bevor
mein Vater starb! Es war ein Autounfall! Das konnte man nicht vorhersehen!“,
rief ich siegessicher. „Na was glaubst du, wer hinter dem Steuer dieses
schwarzen Wagens saß?“, sagte der Mann mit ruhiger, tonloser Stimme.
Nein! Das durfte einfach nicht sein! Wieso mein Vater? Wieso meine
Familie?! ER hatte ihn getötet! Er war ein Mörder. Mein Handy! Die Polizei!
Ich griff panisch in meine Hosentasche. Leer. LEER! Natürlich, das hätte ich
mir doch denken können. Das hier waren keine Anfänger, das hier, waren
ungnädige, kaltblütige Mörder! Zum ersten Mal erfasste mich nackte, kalte
Panik. Ich wollte schreien, doch kein Ton drang aus meiner Kehle, kein Wort
kam aus meiner Kehle. „Hier hört dich keiner und Hilfe rufen kannst du auch
nicht. Keine Angst, solange deine Mutter tut, was wir ihr sagen, passiert dir
auch nichts. Wir werden dir zu essen und trinken geben“, sagte er. Toll, das
beruhigte mich sehr. Ich saß hier mit mindestens 2 Psycho-Mördern an einem
dunklen Ort und ich wusste nicht mal, wo ich war und der Typ versicherte mir,
dass mir ERSTMAL nichts passieren würde…
Die Männer brachten mich zurück in die Kammer und stellten mir Essen und
Trinken hin. Den Sinn dieses Treffens hatte ich nun nicht ganz verstanden,
aber falls sie mir einfach nur Angst einjagen wollten, hatten sie das auf jeden
Fall geschafft…
Am nächsten Morgen wurde ich unsanft geweckt. Und zwar wirklich unsanft!
Ich wachte nämlich auf, als ich merkte, dass mich jemand über den langen
Flur zog. „Endlich bist du wach! Steh gefälligst auf und lauf selber!“, fauchte
mich der Mann vom Vortag an. Ich verkniff mir eine bissige Bemerkung, stand
auf und wurde sofort weiter gestoßen. Im gleichen Raum, in den sie mich das
letzte Mal auch geführt hatten, saß wieder der Mann. Dieses Mal jedoch,
erschrak ich nicht, als seine knochigen Finger unter seiner schwarzen Kutte
aufblitzten. In diesen schneeweißen mit Adern überzogenen Händen hielt er
mein Handy! „Du wirst deine Mutter anrufen und ihr sagen, dass wir bis
morgen das Geld erwarten! 100.000€ hier in der alten Fabrik am Wald“,
knurrte der schwarze Mann. Hier waren wir also! Das kannte ich! Alle in
meiner Stadt kannten sie, niemand traute sich hinein. Ich tat, was er mir
sagte, kurz überlegte ich einfach die 110 zu wählen und Hilfe zu holen, doch
ich verwarf die Idee gleich wieder. Mit zitternder Stimme berichtete ich meiner
Mutter alles. Ich zwang mich dazu, nicht zu weinen. Immer wieder sagte ich
ihr, dass sie keine Polizei rufen dürfe, dann zwang mich der schwarze Mann,
aufzulegen. Er zog mir das Handy wieder aus der Hand. Als sie mich zurück
in die Kammer zogen, fing ich an zu weinen, ganz leise nur, fast tonlos. Wenn
sie uns nun alles Geld nahmen? Wo sollten wir leben? Meine Mutter
verdiente nicht viel Geld mit ihrem Job. Mit diesem traurigen Gedanken
schlief ich spät am Abend doch noch ein.
Am nächsten Morgen wachte ich von einem Geräusch auf, über das ich mich
nie so gefreut hatte. Polizeisirenen. Ich sprang auf. Ich hörte laute Schreie,
dann sprang die Tür auf und ein Mann in Uniform lief herein. Er nahm mich
mit nach draußen, wo ich meiner Mutter in die Arme fiel, ich schluchzte. Die
Polizei hatte die Türen aufgebrochen, die Männer festgenommen und mich
gerettet. Die Männer! Wo waren sie? War ich außer Gefahr?! Ich sah mich
hektisch um. Da waren sie. Mit Handschellen an den Armen führte die Polizei
die wutschnaubenden Männer zum Streifenwagen, in den sie widerstandslos
einstiegen. Meine Mutter hatte mutig die Polizei gerufen. „Ich kenne ihn, er ist
heimtückisch und gemein und das mit deinem Vater…“, Tränen liefen über
ihre Wangen, „das wird er bereuen. Er war mit deinem Vater befreundet,
weißt du. Die Traurigkeit wird auch ihn finden. Er war mit Papa befreundet
und dann kam ich. Beide haben sich in mich verliebt, doch ich liebte deinen
Vater. Als wir heiraten, schwor sich der schwarze Mann Rache an deinem
Vater, jetzt hat er sie, doch das schlechte Gewissen wird ihn plagen.“
Die Männer wurden verhaftet und ins Gefängnis gesteckt und wir konnten in
Ruhe weiterleben…

Der Fall Caruso

Der Fall Caruso

von Mattis Jennrich

Mathearbeit!  Angespannte Stille in unserer sonst so wuseligen 5f.  Wie war das noch? Punkt- vor Strichrechnung? Na klar, manchmal hab ich aber auch ein Brett vor dem Kopf. Schon fliegt der Stift wie von selbst über die Rechenkästchen, füllt sie mit Zahlen, Rechenzeichen und einem Ergebnis.  
Puh, ganz schön warm. Ich gucke zu Herrn Huberfranz, unserem Mathelehrer, und puste meine Stirnhaare in die Luft. Er nickt mir zu. „Dani, öffne bitte mal das Fenster hinter dir, wer denken will, braucht frische Luft!“, fordert er unsere Klassensprecherin auf. „Muss das sein!“ Sichtlich genervt steht Dani auf und dreht sich zum Fenster.  
„Wa-, wa-, was ist denn mit Caruso los? Der liegt da so komisch, ist der  vielleicht…?“
Die Mathearbeit ist jetzt unwichtig! Alle springen auf und wollen Caruso sehen. Ich drängele mich vor. Echt wahr, er ist - tot! Fassungslos schauen wir uns an!  Am Ende der Deutschstunde ist es ihm doch noch gut gegangen!

Er hat doch vorhin noch seine Lieblingsoper gesungen. Das kann doch nicht sein!
   
Jetzt kommt Herr Huberfranz, hebt den kleinen Körper hoch und betastet ihn vorsichtig.„Da ist nichts mehr zu machen, Caruso ist jetzt im Vogelhimmel. Tut mir leid um euer Klassentier, für das ihr so gekämpft habt. … Also, die Mathearbeit verschieben wir erst einmal.“
Ich schaue um mich.  Fast überall betroffene Gesichter,  viele haben Tränen in den Augen, egal ob  Mädchen und Jungen. Andere starren vor sich hin. Woran sie wohl denken?

Es war so ein harter Weg gewesen, bis wir Carouso hatten. Als die Sekretärin unserer Schule, Frau Brackert, vor zwei Monaten in Rente ging  und eine Weltreise machen wollte, hatte sie beschlossen, Caruso einer 5. Klasse zu überlassen. Damit es keinen Streit gab, durften alle 5. Klassen ihren besten Läufer auswählen. Die waren dann auf der Sportanlage der Schule zu einem Wettlauf antreten. Unsere Klasse hatte Neal ins Rennen geschickt.
Zuerst waren alle fast gleich schnell gewesen. Aber zum Schluss kämpften sich Neal und Peter aus der 5a an die Spitze.
Auf den letzten Metern war Peter über seinen Schnürsenkel gestolpert (denn Schleifebinden  konnte der noch nie) und war hingefallen. Neal hatte das Rennen gewonnen und wir Caruso!
Frau Brackert war ein Fan vom italienischen Opernsänger Caruso, daher hatte der Wellensittich seinen Namen. Unser Caruso konnte auch gut singen, aber italienisch übte er noch.
Durch Caruso war der Unterricht immer ein bisschen lustiger gewesen und nun sollte das vorbei sein! Das war traurig.
Die Klasse musste Caruso füttern, pflegen und seinen Käfig sauber machen. Dazu gab es einen Plan, wer an welchem Tag was zu tun hatte. Alle hatten daran Spaß gehabt und sich daran gehalten.

Ich knabbere auf meinem Daumennagel herum. Was ist in der Pause wohl passiert? Plötzlich höre ich mich laut sagen:„Wir müssen aufklären, was mit Caruso geschehen ist! Das sind wir ihm schuldig!“  Und schon hört das Weinen auf, es kommt wieder Bewegung in unsere Klasse. Ja, etwas tun gegen die Trauer, den Fall Caruso aufklären! Alle nicken mir zustimmend zu.

Aber plötzlich fangen alle an, sich zu beschuldigen. Maik beschimpft Chantal: ,,Du hast doch bestimmt wieder heimlich geraucht, daran ist Caruso erstickt!“
Chantal schreit zurück:,, Ich habe nicht geraucht. Aber du hast sicher wieder die Heizung voll aufgedreht, du Frostkötel!“ Göte guckt kurz auf: „Das ist doch Quatsch. Das war ein Wellensittich, der mag das warm!“
„Klar, dass du wieder klugscheißen musst“, poltert Emma von hinten.                                                                                                                                                                                                                      

Herr Huberfranz hat sich alles ruhig mitangehört und mischt sich aber jetzt ein.„Halt! Halt! Ihr könnt doch nicht Dinge behaupten, die ihr gar nicht beweisen könnt! Hat einer etwas gesehen, was uns wirklich weiterhelfen kann?“
Da meldet sich Georg, genannt Göte. Er will später mal Schriftsteller werden und macht sich immer Notizen in einem kleinen roten Block, wenn er etwas „besonders“ findet.„Kann ich später mal für meinen Roman gebrauchen!“, antwortet er, wenn man ihn fragt. Eben noch habe ich gesehen, wie sein Stift wieder über das Papier gehuscht ist.

„Wer außer Chantal war eigentlich überhaupt in der Pause hier drin?“, fragt er. Niemand meldet sich. „Ich war aber auch kurz weg, weil ich mir dringend ein Schokobrötchen holen musste“, behauptet Chantal. „Aha, also in der Zeit war niemand bei Caruso!“, fasst Göte zusammen.
„Dann frage ich mich, was Peter aus der 5 a hier wollte, wenn keiner da war. Den habe ich nämlich von der Mensa aus an unserem Fenster gesehen.“

Plötzlich schreit Chantal auf: „Also entweder Caruso hat sich geschminkt oder ihm ist am Hals ein blauer Punkt gewachsen.“
Alle rennen zum Käfig. Herr Huberfranz nimmt den Vogel noch mal hoch. „Tatsächlich, der ist gar nicht echt. Das ist mir jetzt peinlich, aber ich bin ja auch auch kein Biolehrer.“
,, Also handelt es sich nicht um Mord, sondern um Entführung“, glänzt Göte, „und der Entführer kann nur Peter sein!“
Wir beschließen sofort mit Herr Huberfranz in Peters Klasse zu gehen und ihn zu verhören. Schon nach zwei Minuten packt Peter aus. Die Sache ist ihm jetzt zu heiß! Er hat Caruso im Geräteschuppen vom Hausmeister versteckt.

Zwei Tage später schreiben wir bei Herrn Huberfranz die Mathearbeit nach.
Mit Caruso, unserem Glücksbringer! Da kann ja gar nichts mehr schiefgehen.

Das Rätsel

Das Rätsel

von Melina Karaus

Mathearbeit!  Angespannte Stille in unserer sonst so wuseligen 5f.  Wie war das noch? Punkt- vor Strichrechnung? Na klar, manchmal hab ich aber auch ein Brett vor dem Kopf. Schon fliegt der Stift wie von selbst über die Rechenkästchen, füllt sie mit Zahlen, Rechenzeichen und einem Ergebnis.  
Puh, ganz schön warm. Ich gucke zu Herrn Huberfranz, unserem Mathelehrer, und puste meine Stirnhaare in die Luft. Er nickt mir zu. „Dani, öffne bitte mal das Fenster hinter dir, wer denken will, braucht frische Luft!“, fordert er unsere Klassensprecherin auf. „Muss das sein!“ Sichtlich genervt steht Dani auf und dreht sich zum Fenster.  
„Wa-, wa-, was ist denn mit Caruso los? Der liegt da so komisch, ist der  vielleicht…?“
Die Mathearbeit ist jetzt unwichtig! Alle springen auf und wollen Caruso sehen. Ich drängele mich vor. Echt wahr, er ist - tot! Fassungslos schauen wir uns an!  Am Ende der Deutschstunde ist es ihm doch noch gut gegangen! Er ist doch eben noch im  Laufrad gelaufen.

Jetzt kommt Herr Huberfranz, hebt den kleinen Körper hoch und betastet ihn vorsichtig.„Da ist nichts mehr zu machen, Caruso ist jetzt im Hamsterhimmel. Tut mir leid um euer Klassentier, für das ihr so gekämpft habt. … Also, die Mathearbeit verschieben wir erst einmal.“
Ich schaue um mich. Fast überall betroffene Gesichter,  viele haben Tränen in den Augen, egal ob  Mädchen und Jungen. Andere starren vor sich hin. Woran sie wohl denken?

Ich hatte die Idee, dass wir uns ein Klassentier kaufen, denn ganz viele andere Klassen hatten auch ein Klassentier. Da ich das Tier besorgt habe und ich „Caroso“ heiße, habe ich es „Caruso“ genannt. Aber wir wussten auch, wie viel Arbeit das für uns ist. Wir mussten jeden Tag das Wasser tauschen, Fressen geben und ab und zu mal den Käfig saubermachen.Uns hat besonders Freude bereitet, wenn man ihm zusah, wie er gespielt oder geschlafen hat.

Ich knabbere auf meinem Daumennagel herum. Was ist in der Pause wohl passiert? Plötzlich höre ich mich laut sagen:„Wir müssen aufklären, was mit Caruso geschehen ist! Das sind wir ihm schuldig!“  Und schon hört das Weinen auf, es kommt wieder Bewegung in unsere Klasse. Ja, etwas tun gegen die Trauer, den Fall Caruso aufklären! Alle nicken mir zustimmend zu.

Clara sagt zu den Jungen: „Ihr habt ihm nicht genug zum Fressen gegeben.“
„Das stimmt nicht. Ihr habt Caruso nicht genug zum Trinken gegeben“, empört sich Tom.
Lara meckert zurück:„Nein!“

Herr Huberfranz hat sich alles ruhig mitangehört und mischt sich aber jetzt ein.„Halt! Halt! Ihr könnt doch nicht Dinge behaupten, die ihr gar nicht beweisen könnt! Hat einer etwas gesehen, was uns wirklich weiterhelfen kann?“
   Da meldet sich Georg, genannt Göte. Er will später mal Schriftsteller werden und macht sich immer Notizen in einem kleinen roten Block, wenn er etwas „besonders“ findet.„Kann ich später mal für meinen Roman gebrauchen!“, antwortet er, wenn man ihn fragt. Eben noch habe ich gesehen, wie sein Stift wieder über das Papier gehuscht ist.

Göte schildert, er habe beobachtet, wie in der Pause ein Junge aus der 10. Klasse vor Carusos Käfig stand. Aber als er reinkam, sei der Junge schnell wieder gegangen. „Lasst uns mal den Käfig durchsuchen“, sagt Göte schließlich. Plötzlich macht Herr Huberfranz eine Entdeckung. Er ruft: Guck mal alle her! Da ist doch ein anderes Fressen drinnen. Was ist das?“ Clara antwortet: „Das ist Fressen für Hunde.“ „Und ich habe gesehen, dass Caruso, als er im Laufrad war, immer langsamer geworden ist und zum Schluss auch schlecht Luft bekommen hat“, sagt Göte. „Wahrscheinlich ist er daran gestorben“, meint Tom.„Ja, so muss es gewesen sein“, stimme ich ihm zu.
   Zwei Tage später schreiben wir die Mathaarbeit. Alle sind unkonzentriert, weil sie an Caruso denken müssen. Aber Herr Huberfranz holt gerade einen Karton mit Löchern heraus. Als er ihn aufmacht, sitzt da ein neuer Hamster drinnen.